Das goldene Paradoxon

GoldenesQuartier_FOTO_Gregor-TitzeIn den nächsten Tagen eröffnet das Aї im Wiener Goldenen Quartier, ein asiatisches Lokal der Extraklasse. Damit wird die letzte unvermietete Lücke in der Ladenzeile geschlossen, erzählt SIGNA-Geschäftsführer Christoph Stadlhuber heute bei einer Pressekonferenz, die – so interpretiere ich das – im Wesentlichen eigentlich nur unterstreichen soll, wie wichtig ein das Goldene Quartier für die Innenstadt bzw. für Wien ist.
Dazu wurde auch Hania Bomba von RegioPlan eingeladen. Als Expertin für den Handel bestätigt sie, die brutale Dynamik: „Der Handel geht dort hin, wo bereits Frequenz ist. Wenn man mal in der Spirale der Abwanderung drinnen ist, dann ist es unglaublich schwer, diese Spirale zu stoppen“, so Bomba und verweist als Beispiel auf die Wollzeile. Andere Lagen rund um das Goldene Quartier profitieren hingegen von der Magnetwirkung.
Konkurrenz sind andere Städte
Es klingt wie ein Weckruf für kleinkarrierte Österreicher. Nicht die Mikrolagen wie Herrengasse, Kohlmarkt oder Kärntnerstraße seien die Konkurrenten des Goldenen Quartiers, es seien andere Städte wie Barcelona, Mailand, Berlin, London usw., klärte Stadlhuber auf. Es mache Sinn Marken für ähnliche Zielgruppen in einem Areal, einem Cluster anzubieten und „es wäre absolut sinnlos, die Kärntner Straße im Goldenen Quartier zu wiederholen“, so Bomba. Verstehe ich, stimme ich zu, check.
Es muss sich demnach beim Goldenen Quartier um eine paradoxe Sonderstellung handeln: Es ist Mittelpunkt und internationales Schaufenster für Wiens Innenstadt und somit Treiber für die Aufwertung selbiger, zugleich ist gerade dort die Frequenz aber egal, wie Stadlhuber versichert. Der Umsatz sei maßgeblich und der passe.
Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu, heißt es im Handel. Im Goldenen Viertel der Signa sind es wohl Falken oder andere Edelvögel. Bleibt zu hoffen, dass sich irgendwann dann doch andere Gattungen auch reindrängen in die monokulturellen Millionärsshopper. Wir brauchen keine zweite Ringstraßengallerie.
Foto: SIGNA / Gregor Titze