IMMOBILIENWIRSCHAFT – die neue Ausgabe

Der aktuelle Trendguide, den ich als Chefredakteur machen darf und der der Tageszeitung DerStandard beiliegt, erscheint morgen, Freitag, 28. Mai 2020.

Diesmal war es besonders spannend. Was soll man zu Corona sagen, ohne die übliche Kaffeesudleserei zu wiederholen?

Im Ernst: Nach der Analyse von Expertenmeinungen kann festgehalten werden, dass sich soooo viel gar nicht ändert. Gerade in der Immobilienbranche. „Nichts wird mehr so sein wie es war“ – der Satz wird seit 9/11 gerne zur Hysterisierung von allem verwendet (und gilt im Übrigen jeden Tag).

Die Corona-Effekte

Was unserer Analyse nach passiert: Die Trends, die vorher schon da waren, passieren viel rascher, werden schneller und radikaler umgesetzt. Die Assetklassen differenzieren sich immer stärker. Zinsen bleiben tief, Immobilieninvestitionen attraktiv, Eigentum ebenso. Der Virus offenbart schonungslos die vorher schon da gewesenen Probleme bei Hotels und Retail. Logistik ist gefragt und die Zukunft der Wissensarbeit entwickelt sich als Mischform weiter – weder werden klassische Büros obsolet, noch wird das mobile Arbeiten aufhören.

Mehr dazu im Heft morgen!

6 Thesen zum Office

Vitra hat sechs Thesen entwickelt, nach denen Arbeits- und Wohnumgebungen – bzw. auch das Home Office – gestaltet werden.

1

Der Gesundheitsschutz erhält Vorrang
Neue Vorsichtsmassnahmen bei gemeinschaftlich genutzten Räumen dienen dem Schutz vor Ansteckung und Krankheit. Oberflächen, Türklinken, Sanitärräume und häufig berührte Flächen an Stühlen werden täglich gereinigt. Textilien und Polster könnten durch abwischbare Materialien wie Leder oder Kunstleder sowie Kunststoff verdrängt werden. Eine gute Alternative ist Holz, das als warmes, natürliches Material mit angenehmer Haptik und guten Hygiene- und Reinigungseigenschaften eingesetzt werden kann.

2

Das Homeoffice setzt sich durch
Viele Menschen arbeiten inzwischen zu Hause. Dieses unfreiwillige Experiment hat gezeigt, dass die erforderlichen Technologien existieren und funktionieren – und dass produktive Teamarbeit auch so möglich ist. Unternehmen, die ihre Angestellten zu Hause arbeiten lassen, erhalten dadurch nicht nur Zugang zu einem globalen Pool qualifizierter Arbeitskräfte, sie verringern auch ihren ökologischen Fußabdruck. Ausserdem führt regelmässiges Arbeiten im Homeoffice zu einer geringeren Besetzungsdichte im Büro und ermöglicht das Einhalten des erforderlichen räumlichen Abstands zwischen den Anwesenden.

3

Besprechungen finden seltener statt – und anders
Für die Post-Corona-Zeit stellt sich die Frage, ob und wie wir einander in Zukunft begegnen. Viele Besprechungen und Angebote werden auf digitale Plattformen verlegt. Die Häufigkeit realer Begegnungen dürfte abnehmen: Wir treffen uns nur noch, wenn es unvermeidbar ist – dann mit größerem Abstand in Besprechungsräumen oder im Stehen.

4

Neue Richtwerte bestimmen die gemeinsame Nutzung von Räumen
In voll belegten Arbeitsräumen, dicht nebeneinander an langen Tischen oder jeden Tag an einem anderen Schreibtisch – so werden wir wohl vorerst nicht mehr arbeiten, wenn wir nach der Krise wieder ins Büro gehen. Dies muss jedoch nicht die Rückkehr der Zelle oder Wabe bedeuten. Unternehmen müssen dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter Abstand halten und die gemeinsame Nutzung von Gegenständen und Orten reduzieren.

5

Der Firmenstandort gewinnt an Bedeutung
Die persönliche Anwesenheit wird für Unternehmen, Teams und Aufgaben unvermeidbar bleiben, die auf körperlichen Einsatz, direkte Zusammenarbeit oder das Bedienen von Maschinen angewiesen sind. Aktuelle Umfragen und Studien zeigen, dass Angestellte den Arbeitsplatz in der Firma keineswegs als notwendiges Übel betrachten, sondern gerne im Büro arbeiten. Diese Bewertung hat sich im Laufe der Covid-19-Pandemie bestätigt: Nach mehreren Wochen Homeoffice vermissten die meisten Arbeitnehmenden die gewohnte Arbeitsumgebung, das kollegiale Miteinander und die vertrauten Abläufe. Aus diesem Blickwinkel erscheint das klassische Büro als Ort des Zusammenkommens in einer zunehmend digitalisierten Welt.

6

Eine neue Ästhetik entsteht – oder nicht
Was haben wir durch Covid-19 gelernt? Wir können eigentlich fast überall arbeiten. Wenn wir in Zukunft ins Büro gehen, dann haben wir eine bewusste Entscheidung getroffen. Wir möchten unsere Kollegen sehen, spezielle Aufgaben erledigen oder uns auf die Unternehmensziele und -werte einstimmen. Ein übergreifendes Thema wird das Bedürfnis nach Menschlichkeit sein. Im Büro darf es ruhig formeller aussehen als zu Hause, aber eben auf eine Weise, die den Grundbedürfnissen der Menschen nach der Krise entspricht. Im Büro muss man sich wohlfühlen können, beschützt und sicher – nicht zuletzt, weil hohe Hygienestandards gelten. Möglicherweise kommen neuartige Formen, Farben und Materialien auf, die dieses Bedürfnis erfüllen. Die Post-Corona-Innovationswelle vollzieht sich bisher vornehmlich digital und bleibt daher unsichtbar – wie das Virus selbst. Vertrautes und Bewährtes gewinnt daher an Bedeutung – zeitlose Produkte, die schon unseren Eltern und Grosseltern gute Dienste geleistet haben.

Wann wird es wieder „normal“?

Ja, da freuen wir uns wieder, wenn alles wird wie vorher. BITTE NICHT!

Weil: Was ist normal?

Nutzen wir doch die Möglichkeit, die Welt so zu gestalten, dass sie nach COVID-19 besser wird. Sonst gibt es zum nächsten Thanks-Giving nach dem Lockdown wieder solche Bilder aus Los Angeles. Das ist doch verrückt!

Keine gute Entwicklung bei Wework. Der Konzern verklagt seinen Hauptaktionär, die Softbank, auf 3 Milliarden Dollar. Die Mutter ist selbst angeschlagen. Ajaijai …

Office des Jahres – längere Einreichfrist

Seit Anfang März sucht CBRE, national wie international führender Immobiliendienstleister, wieder Österreichs Office of the Year. Aus aktuellem Anlass wurde nun die Einreichfrist bis zum 31. August verlängert und der Award um eine neue Kategorie – Home Office of the Year – erweitert. Die Teilnahme am Office of the Year Award ist einfach und kostenlos, bewerben kann man sich über die Office of the Year Plattform http://www.awards.cbre.at

Foto: Gabriel Büchelmeier für PHH Rechtsanwälte

Treffen tut es nun neben Retail und Hotel auch den Trend des Co-Living und Co-Working. Zumindest kurzfristig wird aus Co-Working plötzlich ein Home-Office namens Covid-Working …

Büromarkt: minus ein Quartal

KURZNEWS
Die Folgen der Corona-Pandemie treffen auch den Wiener Büromarkt, meldet Otto Immobilien: Bei der Vermietung von Büroflächen in der Bundeshauptstadt ist nach Einschätzung von Otto Immobilien heuer mit dem Verlust eines durchschnittlichen Quartals zu rechnen. 

Das Serviced-Apartment-Segment könnte sich früher als die klassische Hotellerie erholen

Noch im März 2020 hatten fast 70 Prozent der Serviced-Apartment-Betreiber geöffnet. Vor allem Betreiber mit Longstay-Fokus konnten eine Auslastung von 60 bis 70 Prozent generieren. Das geht aus der aktuellen Stimmungsumfrage hervor, die Apartmentservice unter Serviced-Apartment-Betreibern durchgeführt hat. Im April rechnen viele mit einem Nachfragerückgang auf 40 bis 50 Prozent. Insgesamt gehen die meisten von einem späteren Kompletteinbruch aus als in der klassischen Hotellerie und hoffen auf eine frühere Erholung. „Die USPs von Serviced Apartments in der Ausstattung, im flexibleren Betrieb und im Business-Fokus könnten dem Segment Krisenvorteile verschaffen“, prognostiziert Apartmentservice-Inhaberin Anett Gregorius vorsichtig und kündigt weitere Betreiber-Befragungen an, deren Ergebnisse auch im „Marktreport Serviced Apartments 2020“ vorgestellt werden, der im Juni erscheint. Zudem hat Apartmentservice die Initiative #Weareopen gestartet. „Mit diesen Maßnahmen wollen wir dem Segment eine starke Stimme in der Krise geben und Wege wie Potenziale nach Corona aufzeigen.“

Foto: harry’s home

Die Zukunft von Energie & Gebäuden

Über ein Jahr lang hat sich eine Arbeitsgruppe der ÖGNI mit dem Thema „Gebäude und Energie“ beschäftigt. Heraus kam nun ein Positionspapier, das sehens – also: lesenswert ist. Vor allem auch deswegen, weil Experten aus den verschiedensten Fachbereichen ihre Zukunftsvisionen für die Energieversorgung von Gebäuden diskutiert haben. Die Erkenntnisse werden auch schrittweise Eingang in das europäische Qualitätszertifikat DGNB finden.

Realitätsverlust

Übertreiben ist nicht so meins. Auch nicht in speziellen Situationen, gerade dann sollten Medien nicht mehr Hysterie verbreiten als nötig. Aber was soll ich mit diesen Presseaussendungen anfangen?

Da kommen in den letzten Tagen Meldungen rein, die ich nicht verstehe. „Zweisamkeit hinter alten Mauern im sonnigen Vinschgau“ könnte man noch als Quarantäne-Urlaub verstehen (ob unbedingt in Südtirol, ich weiß nicht). Im Vollholz-Chalets im Naturdorf Oberkühnreit „haben bis zu zehn Personen ihr heimeliges Urlaubs-Zuhause“, schwärmt eine andere Aussendung und verweist auf gesellige Grillabende.

Bad Hévíz lädt via Presseaussendung zur Frühlingskur. Muss man halt das Zeitfenster für die Pendler und Heimkehrer an der Grenze erwischen, um sich nach Ungarn zu schmuggeln.

In welcher Realität leben die Agenturen, die sowas ausschicken, denn? Jaja, es wird schon wieder normal werden, aber das ist doch Realitätsverlust.

Wie geht die Hotelindustrie mit der Krise um?

Witzig finde ich, wenn jetzt Immobilienhefte erscheinen, die den großen Hotelboom ankündigen. Da hat wohl wer die Corona-Krise verschlafen …

Gerade für die Assetklasse Hotel ist’s extra brenzlig. Einnahmen im Betrieb: null. Investitionsanreiz: gering. Sorgen für Gebäudeeigentümer: viele.

Beispiel Gorgeous Smiling Hotels GmbH, die müssen mit für 100 Hotels individuelle Lösungen finden. Die Lage ist nach Eigenangaben „prekär und gerade für das extrem schnell expandierende Unternehmen eine riesige Herausforderung“.

Neben Franchiseverträgen mit internationalen Hotelketten, betreibt die Gorgeous Smiling Hotels GmbH immer mehr eigene Marken. Bisher wurden acht eigene Brands – Arthotel ANA, Arthotel ANA Living, The Rilano, Rilano 24|7, Rilano Resorts, Bentō Inn, Roomingtons sowie DesignCity Hotels – am Markt platziert. 

Jetzt grundreinigen

Um den großen Schaden zu minimieren, versucht das Unternehmen auf Kündigungen im Personalbereich zu verzichten und hat auf Kurzarbeit umgestellt. Des Weiteren wird die neue Situation genutzt, die Hotels einer Grundreinigung zu unterziehen, Instandhaltungsarbeiten durchzuführen und alles, was im alltäglichen Betrieb oft liegen bleibt, zu erledigen. Wareneinkäufe und Investitionen, die derzeit nicht relevant sind, werden verschoben.

„Wichtig sind jetzt alle Vorkehrungen für die Zeit „danach“. Wir müssen heute den Kontakt zu unseren Business- und Topkunden sowie den Reiseveranstaltern aufrechterhalten und auf allen Kanälen Buchungsanreize schaffen“, so Holger Behrens, einer der drei Geschäftsführer der Gorgeous Smiling Hotels GmbH.

„Diese absolute Krisensituation ist unberechenbar und nicht greifbar, weil wir nicht wissen, wie lange diese Zwangspause und die Pandemie in unserem Land und auf der Welt anhalten wird“

Holger Behrens

Anlässlich der katastrophalen Umstände auch im Krankenhausbereich und die stetig steigenden Zahlen an Corona-Infizierten, führen die Betreiber der Gorgeous Smiling Hotels GmbH derzeit Gespräche, vereinzelte Hotels zu provisorischen Stationen um zu funktionieren. 

„Die Krankenhäuser sollen genug Kapazitäten für Intensivpatienten bereithalten können, und wir als Hoteliers möchten gerne unseren Beitrag leisten und Betten für leichtere Fälle zur Verfügung stellen. Es ist wichtig in solch´ einer Zeit, zusammen zu halten und zu helfen. Eine Entlastung der Krankenhäuser wäre dann wenigstens gewährleistet“, so Heiko Grote, ebenfalls Geschäftsführer der Gorgeous Smiling Hotels.

Das Bild oben zeigt das ers­te Hotel der Eigen­mar­ke Design­Ci­ty, das Mai­son Schil­ler in München. Credit: Gorgeous Smiling Hotels GmbH

Prozessfinanzierer für Mietzinsentfall

Schnell auf die aktuelle Situation reagiert hat Mietheld. Der Prozessfinanzierer verspricht:

Konkret kann jetzt jeder seinen gewerblichen Miet- bzw. Pachtvertrag und dazugehörige Daten auf www.mietheld.at/unternehmen übermitteln und die gewünschte Vorgehensweise auswählen. Anschließend finanziert Mietheld einen spezialisierten Rechtsanwalt, der eine individuelle Fallprüfung anhand der Daten vornimmt und dem Kunden die entsprechende rechtliche Auswertung übermittelt.

Die von Mietheld finanzierte Rechtsvertretung kann den Vermieter anschließend über die Rechtslage aufklären und einen Vergleich über einen neuen, reduzierten Mietzins erzielen, wobei eine Erfolgsprovision von 35% des Ersparnis fällig wird. Bei mangelnder Kompromissbereitschaft des Vermieters setzt ihn der Rechtsanwalt über die Fortsetzung der Zahlung unter Vorbehalt einer Rückfoderung oder über die gänzliche Aussetzung in Kenntnis. 

Die komplette Presseaussendung dazu lesen Sie hier.

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